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Strategien gegen neovaskuläre Netzhauterkrankungen optimieren

categories Augen, Augen, Makula-Degeneration, Ophtalmologie   13. August 2018    

Neovaskuläre Netzhauterkrankungen sind in Deutschland die häufigste Ursache für irreversible Schädigungen der Netzhaut und damit einer der wichtigsten Gründe für Sehbehinderung und Blindheit. In der zweiten Forschungswerkstatt Netzhaut haben rund 40 namhafte Wissenschaftler und Augenärzte Anfang Juli in Hamburg diskutiert, wie sich solche Netzhautschäden besser vermeiden lassen.

„Mit dem Austausch zwischen Grundlagenforschung, Klinik und Versorgungsforschung will die Forschungswerkstatt Netzhaut dazu beitragen, bestehende Behandlungsmöglichkeiten für neovaskuläre Netzhauterkrankungen zu optimieren“, sagte Dr. Zoran Hasanbasic, Leiter Medizinische Fachabteilung Neurologie, Immunologie und Ophthalmologie von Bayer.

Bereits seit dem Jahr 2000 organisiert Bayer regelmäßig Forschungswerkstätten zu verschiedenen Indikationen. „Nach der Auftaktveranstaltung zum Thema Netzhaut im Jahr 2016 offenbarte auch die zweite Forschungswerkstatt interessante Ansätze für die weitere Forschung“, fasste Dr. Kristian T. Johnson, Medizinische Fachabteilung Neurologie, Immunologie & Ophthalmologie bei Bayer und Koordinator der Veranstaltung, die Vorträge der 20 Referenten zusammen.

Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung

Neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung weisen darauf hin, dass VEGF-Inhibitoren wie Aflibercept (Eylea®) verschiedene positive Effekte auf die Pathomechanismen haben, die neovaskulären Netzhauterkrankungen zugrundeliegen. PD Dr. Józef Jaszái, TU Dresden, stellte tierexperimentelle Daten vor, die neben antiangiogenen auch entzündungshemmende und neuroprotektive Effekte untersuchte. Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Thomas Langmann, Universität Köln, fand Anzeichen für eine immunmodulierende Wirkung der anti-VEGF-Therapie in vitro und im Mausmodell.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessern

Die Patienten profitieren aber nur von dem vollen Potenzial der anti-VEGF Therapie, wenn diese Therapie rechtzeitig und kontinuierlich durchgeführt wird. Kliniker und Experten für Versorgungsforschung diskutierten, wie dies optimiert werden könne. Am Beispiel des diabetischen Makulaödems (DMÖ) erläuterte Prof. Dr. Michael Ulbig, TU München, dass die sehr gute pharmakologische Wirkung von VEGF-Inhibitoren zwar nachgewiesen ist, Real Life-Studien wie POLARIS aber auch zeigen, dass die guten Ergebnisse der Zulassungsstudien in der täglichen Praxis bei weitem noch nicht für alle Patienten erreicht wurden. Eine mögliche Erklärung ist, dass ein Viertel der Patienten mit einem DMÖ in Deutschland nicht in augenärztlicher Behandlung ist, wie eine aktuelle EMNID-Umfrage ergab. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Diabetologen sollte weiter verbessert werden, und auch die Aufklärung der Patienten ist noch nicht ausreichend.

Prof. Dr. Georg Michelson, Universitätsklinikum Erlangen, erläuterte einen Ansatz, der die Kooperation mit diabetologischen Schwerpunktpraxen verbessern kann: Mobile optische Kohärenztomografie (OCT)-Geräte lassen sich in diesen Praxen für eine Früherkennung des DMÖ einsetzen. Die Zwischenanalyse einer großen Screeningstudie stellt Daten von 591 in diabetischen Schwerpunktpraxen untersuchten Patienten vor: Ein bis drei Tage nach den Untersuchungen befundete ein Augenarzt die Aufnahmen. Bei jedem zehnten Patienten wurde ein DMÖ festgestellt; zwei Drittel der Betroffenen wussten bis dahin nichts von dieser Erkrankung.

Therapieadhärenz fördern

Exsudative Netzhauterkrankungen benötigen in der Regel über Jahre hinweg eine regelmäßige Behandlung. Die Therapieadhärenz spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg. Real-Life-Daten zur Therapie des retinalen Venenverschlusses (RVV) zeigen jedoch, dass weniger als ein Drittel der Patienten 24 Monate lang in Behandlung sind, berichtete Prof. Dr. Hans Hoerauf, Universitätsklinikum Göttingen.

Die nicht-interventionelle Beobachtungsstudie PERSEUS wiederum deutet darauf hin, dass bei der Therapie der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration neben einer ausreichenden Anzahl an Injektionen mit Aflibercept auch die Regelmäßigkeit der Behandlungsintervalle für den Erhalt des Visusgewinns entscheidend ist. Doch im Verlauf der zweijährigen Studiendauer sank der Anteil therapietreuer Patienten stetig. Neue Ansätze der Versorgungsforschung können dazu beitragen, die Adhärenz und Therapiepersistenz zu erhöhen.

Nicht nur neue Technologien in der Telemedizin bieten ein großes Potential, die Patientenversorgung zu verbessern, auch die automatische Bildanalyse und die Nutzung künstlicher Intelligenz kann zu einem wichtigen Werkzeug in der Patientenversorgung werden, erläuterte Dr. Karsten Kortüm, Moorfields Eye Hospital, London, UK.

Deutsches Förderprogramm für Augenheilkunde

Die Forschung in der Ophthalmologie voranzubringen, ist auch Ziel des Förderprogramms für Augenheilkunde, in dessen Rahmen Bayer bereits zum dritten Mal innovative Forschungsprojekte auszeichnete. Prof. Dr. Tim Krohne, Universitätsklinikum Bonn, stellte bei der Forschungswerkstatt Netzhaut das Projekt vor, das in diesem Jahr den Förderbetrag von 50.000 Euro erhalten hat. Die Bonner Arbeitsgruppe um Krohne verfolgt einen Ansatz, der den Weg zu einer Therapie der atrophischen AMD ebnen könnte. Der Ansatz basiert auf dem Umstand, dass eine chronische lokale Immunreaktion im Bereich des retinalen Pigmentepithels (RPE) eine zentrale Rolle in der Pathogenese der AMD spielt. Deshalb zielt das Projekt darauf ab, die intraokuläre Aktivierung des Inflammasoms besser zu verstehen und Ansatzpunkte für immunmodulatorische Therapien zu finden. Wenn dies gelingt, wäre es möglich, Patienten mit trockener AMD erstmals Behandlungsoptionen anzubieten.

Über VEGF und Eylea® (Afliberceptlösung zur Injektion ins Auge)
Der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor VEGF ist ein Protein, das im gesunden Organismus die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) anregt und beim Wachstum von Gewebe und Organen eine Rolle spielt. VEGF ist auch an der krankhaften Neubildung von Blutgefäßen mit anormal erhöhter Durchlässigkeit beteiligt, welche im Auge zu Ödemen führen können.

Aflibercept-Injektionslösung enthält ein rekombinantes Fusionsprotein. Es ist zusammengesetzt aus humanen extrazellulären Teilen der VEGF-Rezeptoren 1 und 2, die mit dem Fc-Anteil des menschlichen IgG1 kombiniert wurden. Die Substanz ist speziell für die Injektion in den Glaskörper des Auges (intravitreale Injektion) als iso-osmotische Lösung formuliert. Aflibercept fungiert als löslicher ‚Ersatzrezeptor‘. Es bindet mit einer höheren Affinität an VEGF-A und an den Plazenta-Wachstumsfaktor (PGF) und kann so die Bindung und Aktivierung der verwandten VEGF-Rezeptoren hemmen.

Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de

Mehr Informationen zur Bayer Vital GmbH finden Sie unter: www.gesundheit.bayer.de

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