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Apr

Gesundheitslücken bei Nichteinhaltung der Impfungen

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Dr. Ralph Köllges informierte uns zusammen mit der Pharmafirma Sanofi pasteur MSD über die zunehmende Impfmüdigkeit. Nach der Frage eines Impfausweises bei Erwachsenen kommt nicht selten die Antwort:“ Ich bin seit Jahren nicht mehr geimpft„, oder “ Ich weiß gar nicht mehr, wo mein Impfausweis ist„.

Eine Durchimpfung der Bevölkerung schützt nicht nur den Einzelnen sondern auch die ganze Gruppe. Die Impfstrategie besteht darin, ganze Krankheiten auszurotten und damit das Impfprogramm einstellen zukönnen. Dies ist so bei der Krankheitsbekämpfung der Pocken gelungen. Auch für die Polio (Kinderlähmung) ist dies in vielen Teilen der Welt der Fall. Im Jahre 2002 wurde Europa für Poliofrei erklärt (8 Jahre nach Amerika). Trotz allem traten noch ca. 1.800 Polioerkrankungen in 16 Ländern im Jahr 2006 auf. Nigeria und Indien haben dabei die höchste Rate an Poliokrankheiten weltweit. Damit es nicht wieder zu einer Verbreitung und Verschleppung der Polioviren kommt ist es nötig, eine sehr hohe Durchimpfung der Bevölkerung zu erreichen. Aber auch in Deutschland treten immer noch Erkrankungen auf, die, wenn eine komplette Durchimpfung stattfinden würde, schon längst ad acta gelegt werden könnten. Im Jahr 2006 erkrankten 2.282 Menschen an masern, zwei starben daran, es wäre vermeidbar gewesen durch eine Impfung.

Masern-Mumps-Röteln – MMR – ein gefährliches Trio

Es sind doch nur „Kinderkrankheiten“ wird oft lapidar darüber hinweggesehen. Dass diese, so wie Masern, mit als eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten mit schwerwiegenden Komplikationen gelten, wird oft übersehen. Nicht nur Kinder sind bei dieser Krankheit gefährdet, auch Erwachsene und die zuweilen noch viel schlimmer.

Auch der Mumps oder wie er im Volksmund genannt wird „Ziegenpeter“ ist eine Virusinfektion, die sich hauptsächlich durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch überträgt. Die Wahrscheinlichkeit bis zum 15. Lebensjahr daran zu erkranken beträgt 90 Prozent. Das sind neuen von zehn ungeimpften Kindern. Die Inkubationszeit ist mit 15-25 Tagen lange und der Patient ist schon ab dem siebten Tag infektiös, obwohl noch keine Krankheitszeichen erkennbar sind. Die Risiken bestehen in 50 – 70 Prozent der Fälle in einer nicht entdeckten Infektion der Hirnhäute (Mumpsmeningitis). Heilungschancen sind gut, können aber über Wochen andauern. Danach sollte das Gehör des Erkrankten überprüft werden, weil die Gefahr einer bleibenden Schwerhörigkeit nicht ausgeschlossen werden kann. Eine weitere Erkrankung betrifft die Jugendlichen und erwachsenen Männer. In 25 Prozent der Fälle kommt es zu einer Hodenentzündung, die eine spätere Zeugungsunfähigkeit hervorrufen kann.

Bei Frauen die sich im ersten Schwangerschaftsdrittel befinden kann es zu Fehlgeburten kommen. Auch die Masern werden durch Tröpfcheninfektion weitergegeben. Die Inkubationszeit beträt 8-12 Tage und die Ansteckung erfolgt meist schon vor dem ersten Ausbruch der Krankheit. Typisch ist Hautauschlag der meist hinter den Ohren beginnt und sich dann, über mehrere Tage, über den ganzen Körper ausbreitet. Dazu kommen Symptome die einer Grippe ähneln wie Fieber, Schnupfen, Husten, Bindehautentzündung, Lichtempfindlichkeit und weiße Flecken an der Mundschleimhaut.

Risiken bestehen in Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Enzephalitis (Entzündung des Gehirns) kommen. Jeder fünfte Betroffene stirbt daran, ein Drittel behält bleibende Schäden. Eine sehr, sehr seltene Spätfolgeerkrankung, die auch noch Jahre danach auftreten kann, ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Diese endet immer tödlich.

Die Röteln sind im Bund der Kinderkrankheiten die harmlosesten. Nur wenn Patienten die älter sind daran erkranken kann es zu Problemen kommen. Erreger ist der Rubivirus, Ansteckung durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Anzeichen können sein: Kopfschmerzen, Mattigkeit, geschwollene Lymphknoten am Hals und blassroter Hautausschlag, müssen es aber nicht. Vorbeugung: Kombinationsimpfung Masern-Mumps-Röteln schützt vor gefährlichen Komplikationen.

Die STIKO (ständige Impfkommission am Robert Koch Institut) empfiehlt eine zweimalige Schutzimpfung gegen MMR die ab dem vollendeten 11. Lebensmonat begonnen wird. Die zweite Immunisierung sollte dann im 2. Lebensjahr zwischen dem 15. und 23. Monat erfolgen. Damit die Kinder nicht unnötig gepiekst werden müssen, gibt es den gut verträglichen Kombinationsimpfstoff Triplovax. Er enthält lebende Masern-Mumps- und Rötelnviren. Das Ziel der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist es die Masern bis zum Jahr 2010 zu eliminieren.

Windpocken – Varizella-Zoster-Virus

Übertragung durch Luft und Wind und per Tröpfchen aus dem Nasenrachenraum, aber auch durch den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch durch die auf dem Körper entstehenden Bläschen. Gerade in Krabbelgruppen und Kindergärten ist die Ansteckungsgefahr groß. Personen die keine Antikörper gegen das Virus besitzen (sogenannte Seronegative) können sich auch bei Gürtelrosepatienten infizieren. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 8 und 28 Tagen. Symptome sind: Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber über 39 Grad Celsius und die kleinen fürchterlich juckenden Bläschen. Die Krankheitsdauer beträgt so um die 10 Tage, der Patient ist 1-2 Tage vor und bis 5-7 Tage nach Auftreten der Bläschen hochinfektiös. Über 90 Prozent der Bevölkerung infizieren sich mit dem Varizella-Zoster- Virus in den ersten zehn Lebensjahren. Impfempfehlung: zwischen dem 11 und vollendeten 14. Lebensmonat. Kinder und Jugendliche die noch nicht erkrankt oder geimpft sind, bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.

Keuchhusten – Pertussis

In Deutschland erkranken jährlich 110.000 Erwachsene an Keuchhusten, Kinder und Jugendliche sind sieben von zehn älter als 15 Jahre. Diagnosestellung ist schwierig und wird zuerst als Atemwegsinfektion diagnostiziert. Besteht aus 3 Stadien wie Schnupfen und leichtem Husten und späteren anfallsartigen Hustenstößen (Stakkatohusten). Die Hustenattacken gehen mit zähem Schleim und anschließendem Erbrechen einher. Die Hustenanfälle treten über Wochen auf und sind nachts häufiger. Komplikationen treten in 25 Prozent bei den Patienten auf wie: Lungenentzündung, Gesichtsverlust und Krampfanfälle. Die Hustenanfälle sind zum Teil so stark, dass es zu Rippen- und Leistenbrüchen oder Bandscheibenvorfällen kommt. Auslöser sind Bakterien, Bordetella pertussis, die sich mit ihrer klebrigen Oberfläche an die Schleimhäute der Atemwege heften. Dort vermehren sie sich und setzen Giftstoffe frei, bei denen die Atemswegsschleimhäute zerstört werden. Durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch erfolgt die Übertragung. Besonders bei Kleinkindern kann Keuchhusten problematisch werden. Sie bekommen keine Luft und können daran ersticken. Impfempfehlung STIKO: Grundimmunisierung im Kindesalter, Auffrischungsimpfung für Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren. Die Pertussis -Impfung wird ab 2006 gemeinsam mit einer Impfung gegen Tetanus, Diphtherie und Polio empfohlen.

Rotavirus-Durchfall – ein kleiner Erreger mit weitreichenden Folgen.

Weltweit erkranken über 500 Millionen Kinder an Rotaviren, 400.00 bis 600.000 sterben an den Folgen einer Rotaviren-Infektion. In Europa müssen bis zu 87.000 Kinder in Folge der Schwere der Erkrankung in stationäre Behandlung aufgenommen werden. 230 Kinder überleben die Rotaviren-Attacke nicht. Sie werden durch Schmierinfektion 8fäkal-oral) aber auch durch mit Rotaviren belastetes Wasser und Lebensmittel übertragen, aber auch die gründlichste Hygiene kann den Virus nicht aufhalten. Zehn bis 100 Viren können eine Infektion auslösen – bei erkrankten Personen werden durch den Stuhl pro ml 100 Milliarden Viren ausgeschieden. Das Problem bei den kleinen Erkrankten ist die immens schnelle Austrocknung des kleinen Körpers durch den Flüssigkeitsverlust. Er ist auch nicht durch Antibiotikagabe aufzuhalten. Während der Erkrankung kann nur der Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen und die Körpersalze ersetzt werden. Impfung: der pentavalente Schluckimpfstoff RotaTeq enthält die fünf häufigsten Rotavirus-Stämme und wird in drei Dosen verabreicht. Alter ab 6 Wochen der Säuglinge und in Abständen von jeweils 4 Wochen die zweite und dritte Dosis. Die komplette Impfung sollte im ersten Lebensjahr abgeschlossen sein. Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Rotaviren seit dem 1.1. 2008. Die Impfserie kostet übrigens 175,15 Euro.

Alle Impfungen werden von den Krankenkassen übernommen, außer die Rotaviren-Impfung. Eine aktuelle Liste welche Krankenkassen diese in der Zwischenzeit übernehmen kann unter www.impfkontrolle.de eingesehen werden. Weitere Informationen finden sie auch unter
www.rotavirus-info.de

Quelle: Pressekonferenz Sanofi pasteur MSD in Bensberg April 2008
Text©: ASTe