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Schwangerschaftsvergiftung beizeiten erkennen, Langzeitfolgen beachten

categories Allgemein, Blut, Frauen, Geburt, Rund ums Kind, Schwangerschaft   14. Januar 2015    

Präeklampsie, im Volksmund als Schwangerschaftsvergiftung bekannt, ist eine der häufigsten Ursachen für Komplikationen während der Gravidität. Etwa fünf Prozent aller Schwangeren erleiden die Erkrankung. Durch Bluttests kann eine Präeklampsie inzwischen schnell und zuverlässig diagnostiziert und gezielter behandelt werden, so die frauenärztliche Genossenschaft GenoGyn. „Nachdem der Bluttest bereits länger bei Risikoschwangerschaften im Klinikalltag zum Einsatz kommt, bewährt er sich heute auch in der Schwangerschaftsvorsorge durch den niedergelassenen Gynäkologen“, sagt Dr. Jürgen Klinghammer, Vorstandsvorsitzender der GenoGyn, und betont, dass die Präeklampsie inzwischen überdies als Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen in den Folgejahren gilt.Die Ursachenforschung für Präeklampsie, bei der Bluthochdruck und eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß im Urin typisch sind, dauert an. Die Erkrankung kann von einer schwachen Ausprägung bis zum tödlichen Ausgang für Mutter und Kind sehr unterschiedlich verlaufen. Sie gehört zu den häufigen Indikationen für eine vorzeitige Entbindung. Erst- und Mehrlingsschwangerschaften sowie Frauen über 40 Jahre sind besonders oft von Präeklampsie betroffen. Aber auch Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Nierenerkrankungen oder familiäre Vorbelastung gelten als weitere Faktoren für ein erhöhtes Grundrisiko.

Die Biomarker PlGF (Placental Growth Factor) und sFLT-1 (soluble Fms-like tyrosin kinase-1) tragen nach Einschätzung von Dr. Roger Grosser vom Kölner Labor Dr. Wisplinghoff zu einer besseren Überwachung von Risikoschwangerschaften sowie zu einer ruhigeren Planbarkeit des weiteren Prozedere bei. Der beratende Laborarzt der GenoGyn weiter: „Mit ihrer Bestimmung aus Blut im 2. Trimenon hat sich ein gut objektivierbares Instrument etabliert, das eine Präeklampsie aufdeckt und die Betreuung der Patientinnen verbessert.“ In den Wochen nach der Einnistung der befruchteten Eizelle ist die Versorgung des Fötus eine vornehmliche Aufgabe der Plazenta. Hierfür sei ein ausreichender vaskulärer Blutfluss notwendig, der in der Folgezeit stetig gesteigert werden müsse. Entsprechend nehme der PlGF-Wert im Blut normalerweise bis zur 33. Schwangerschaftswoche kontinuierlich zu. Bei einer plazentaren Präeklampsie sinke er jedoch ab. Ein zu hoher sFLT-1-Spiegel störe die notwendige Gefäßbildung der Plazenta und weise auf die Entstehung einer Präeklampsie hin. Zur besseren Auswertung von sFlt-1 und PlGF habe sich deren Quotientenbildung bewährt.

Mithilfe der Biomarker können sowohl eine frühe Präeklampsie vor der 34. Schwangerschaftswoche mit hohen Risiken für Mutter und Kind als auch deren späte Form mit geringeren Gefahren für Mutter und Kind, aber möglichen Langzeitfolgen für die Mutter, diagnostiziert werden. Dr. Klinghammer: „Die frühe Entdeckung der Gefährdung am Ende des ersten, spätestens Anfang des 2. Trimenons ist wichtig, da der Schwangerschaftsverlauf zu diesem Zeitpunkt günstig beeinflusst werden kann. Die Prävention durch täglich 100 mg ASS bis zur 34. Schwangerschaftswoche führt zu einer deutlichen Risikominderung.“

Dr. Grosser misst der Bestimmung der Biomarker weitreichenden Stellenwert bei: „Die gängige Auffassung war bisher, dass mit der Entbindung die Symptome und Risiken dieser Erkrankung beseitigt werden können. Vordergründig werden auch die akuten, teilweise lebensbedrohlichen Situationen durch die Geburt limitiert. Ein Großteil der Patientinnen entwickelt allerdings in den folgenden Jahren einen Hypertonus.“ Der Bluttest sei daher nicht nur zur Abschätzung der akuten Erkrankung in der Schwangerschaft hilfreich, sondern er signalisiere auch, welche Patientinnen nach der Geburt ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen aufgrund eines chronischen Bluthochdrucks entwickelten.

Für die Präventionsexperten der GenoGyn ist das eine wichtige Erkenntnis. „Wenn für eine Patientin langfristig ein Herz-Kreislauf-Risiko und entsprechender Handlungsbedarf bestehen, können wir dem im Rahmen der lebenslangen frauenärztlichen Betreuung präventiv Rechnung tragen“, sagt Dr. Klinghammer aus dem Vorstand der GenoGyn, die mit eigenen zertifizierten Fortbildungen die erweiterte Prävention in der Frauenheilkunde fördert. Die aktuelle Ausbildungsstaffel startet am 23./24. Januar 2015 in Köln. Last minute Anmeldungen sind noch möglich.

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